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Wettbewerb Entwicklung des ehemaligen Güterbahnhofs Schwerin zum neuen Stadt- und Landschaftsraum

Ergebnis
ein 2. Preis
Entscheidung 01/2014
Auslober Deutsche Bahn AG
Partner Stadtplaner: kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Berlin
Mitarbeiter Maria Boehme


Ehemaliger Güterbahnhof - 2. Preis (01/2014)

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Der ehemalige Güterbahnhof besticht durch seine Lage zwischen Stadt und Medeweger See. Nach Norden und Westen ergeben sich aufgrund der topographischen Situation interessante Blickbeziehungen in die Landschaft. Weiterhin liegen die Vorzüge der Liegenschaft in der guten Bebaubarkeit aufgrund der Ebenheit des Geländes, der guten Erreichbarkeit aus der Innenstadt und den ortsprägenden Gebäuden.

Defizite
Die wesentlichen Nachteile der Liegenschaft gilt es zur Entwicklung eines attraktiven Wohnstandortes auszugleichen. Sie liegen in der Lage zwischen den Bahnanlagen im Nordosten und den gewerblichen Nutzungen im Südwesten. Der Höhensprung im Südwesten des Geländes schränkt eine Bebauung in diese Richtung ein.

Entwurf
Der Entwurf schlägt vor, die langestreckte Struktur des Bahngeländes und der ehemaligen Gleise aufzunehmen und die bauliche Entwicklung an einer zentralen Erschließung aufzuhängen. Das Gebiet erhält dadurch eine starke und eindeutige Adresse.
Die Ausrichtung der Bebauung erfolgt senkrecht dazu. So wird eine gute Besonnung der Gebäude gewährleistet und ein Blick in den südwestlich liegenden Hang hinein vermieden.
Der von der Bahn ausgehende Lärm wird durch parallel zur Bahn stehende Gebäude, eine Kletterwand und verschiedene Pflanzungen fern gehalten. Zwischen den Gebäuden liegende Privatgärten und Innenhöfe schaffen ruhige Räume für die Bewohner.

Promenade
Ausgangspunkt der Promenade ist ein neuer Stadtplatz am Eingang des Gebietes im Südosten. Sie ist die Adresse des Gebietes. Die neue Stadtpromenade zieht sich durch das Gebiet hindurch. Die Promenade bildet die Haupterschließung des neuen Güterbahnhofs und endet auf einem grünen Balkon, dem ´Feernkiekerpark´. Von Hier aus lassen sich vielfältige Blicke in die Landschaft öffnen. Beiderseits der Promenade sind unterschiedlich strukturierte umbaute Höfe platziert.

Landschaftsraum
Der Landschaftraum soll die Geschichte des Geländes wach halten. Die Pflanzung hat Sukzessionscharakter der typisch für stillgelegte Bahnanlagen ist. Um diese Wirkung zu erzielen, werden hauptsächlich weißstämmige Birken verwendet die im Kontrast zu dem verbleibenden dunklen Gleisschotter stehen. Die an den früheren Gleisen orientierten Gehölzpflanzungen betonen die Linearität und schaffen somit eine klare Struktur gegenüber der Wohnbebauung.

Werkhöfe
Den Auftakt in das Gebiet bilden im südöstlichen Bereich die Kreativhöfe. Hier haben gewerbliche Nutzungen Priorität. Wohnnutzungen können die Nutzungsstruktur ergänzen. Ein Solitärgebäude bildet die Kante zum neuen Stadtplatz.

Kreativhöfe
Gemischte Strukturen bestimmen die an die Werkhöfe angrenzenden Kreativhöfe um die alte Güterhalle. Neben Versorgungseinrichtungen für das Gebiet und weiteren Gewerbe- und Dienstleistungseinrichtungen können dort gleichberechtigt Wohnnutzungen untergebracht werden.

Güterhalle
Die alte Güterhalle wird erhalten und in einzelne Einheiten unterteilt. Diese durchgestreckten, loftartigen Einheiten bieten Platz für eine Kombination aus Wohnen und gewerblichen Nutzungen und den zukünftigen Nutzern Freiräume für Gestaltung und individuelle Nutzungen. Gemeinschaftliche Nutzungen wie z.B. ein Café, ein Laden, eine Markthalle oder auch eine Kinderbetreuungseinrichtung können darin ihren Platz finden.
Die Halle prägt den Ort und den sie umgebenden platzartigen Raum. Sie ist vom Eingang in das Gebiet gut sichtbar und direkt von der Straße aus erreichbar. Die alte Güterhalle bildet den Kern des neuen Güterbahnhofs.

Wohnhöfe
Beiderseits der Promenade schließen sich Wohnhöfe an, die mit unterschiedlichen Gebäudetypen bebaut werden können. Stadthäuser, Reihenhäuser und Doppelhäuser bilden eine abwechslungsreiche Struktur. Je weiter man sich entlang der Promenade in das Gebiet hinein bewegt, umso offener wird die Bebauung. Der Anteil von Einfamilienhäusern an der Bebauungsstruktur wird in Richtung Norden größer und die Blicke in die Landschaft öffnen sich. Alle Nachbarschaften sind um grüne Höfe und begrünte Plätze herum angelegt, diese lassen Freiraum zur eigenen Hofgestaltung.

Lärmschutz
Der Schutz der Bebauung im Gebiet vor den Geräuschen der Bahn erfolgt durch eine parallel zur Bahn stehende Bebauung. Die dahinter liegenden Wohnbereiche sind dadurch ruhig. Zudem erwirken die Sichtschutzpflanzungen einen psychologischen Lärmschutz und einen Schutz vor Lichtimmission für die Anwohner.

Spiel und Sport
Über das Gebiet verteilte und gut miteinander vernetzte Freiräume bieten Raum für Spiel, Sport und sonstige Freizeitaktivitäten. Der nordwestliche Bereich des Gebietes wird komplett für Erholungseinrichtungen freigehalten.

Vernetzung
Das Gebiet wird über neue Wege mit der Umgebung vernetzt. Es wird im Südwesten über eine neue Rampe und eine Treppe mit dem westlich liegenden erhöhten Gelände und der Hopfenbruchstraße verbunden.
Die ehemalige Bahnbrücke kann als vernetzendes Element wieder errichtet werden. Über sie wird durch das Gebiet hindurch eine neue Verbindung für Fußgänger und Radfahrer von der Lübecker Straße über die Kleingärten zum Medeweger See bis zur Wismarschen Straße geschaffen. Das grüne Band vernetzt den Nordosten mit dem Südwesten. Die Wohnhöfe sind untereinander über ein engmaschiges Netz von Fußwegen miteinander verbunden.

Erschließung
Die Haupterschließung des neuen Güterbahnhofs erfolgt über die neue Promenade die das Gebiet durchzieht. Von ihr aus gehen Erschließungswege ab, die die angrenzenden Wohnhöfe erschließen. Die Erschließungswege werden als Mischflächen angelegt und stehen alleine den Nachbarschaften ohne Durchgangsverkehr zur Verfügung. Parallel zur Bahn bzw. zur westlichen Hangkante verlaufende Wege schaffen Umfahrungs- und Wendemöglichkeiten. Der rund 1,5 km lange Rundweg am Park lädt zum Flanieren oder Joggen ein. Die Birkenallee dient als Auftakt zu einem landschaftlich geprägten Raum. Dieser eignet sich hervorragend zum Bestaunen der typisch mecklenburgischen Flora und Fauna. Zum ´Feernkieken´ dienen kleine Aussichtshäuschen und Sitzgelegenheiten.

Stellplätze
Der ruhende Verkehr wird in allen Bereichen auf den Grundstücken untergebracht. Im Bereich der Kreativhöfe südöstlich der ehemaligen Güterhalle ist die Unterbringung von Fahrzeugen auch in Tiefgaragen denkbar. Besucherstellplätze werden im Straßenraum untergebracht.

Bauen in Phasen
Die Bebauung des Gebietes kann in unabhängig voneinander zu realisierenden Phasen erfolgen. Die Vernetzung des neuen Güterbahnhofs mit angrenzenden Gebieten kann sukzessive nach der Bereitstellung der notwendigen Flächen erfolgen.

Fazit
Die Qualität des Ortes wird durch ruhige Wohnhöfe geprägt. Die Erschließung bildet dafür ein robustes Gerüst. Auch bei sich ändernden Bedürfnissen in der Größe von Baugrundstücken und Hausgrößen bietet das stabile Gerüst gute Möglichkeiten für eine Bebauung.
Der Erhalt der alten Güterhalle gibt dem Gebiet seine Identität. Die Geschichte des Ortes spiegelt sich in dem Gebäude wider. Der Landschaftraum erinnert an einen stillgelegten Bahnhof und schafft einen Wiedererkennungswert des Geländes.