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Wettbewerb Landesgartenschau Neuenburg am Rhein 2022

Ergebnis
2. Preis
Entscheidung 04/2013
Auslober Stadtverwaltung Neuenburg am Rhein
Partner Architekten: roedig . schop architekten, Berlin
Bauingenieure: Kolb Ripke Architekten Planungsgesellschaft mbH, Berlin
Mitarbeiter Enrico Kliem, Thorsten Zellmann


Landesgartenschau Neuenburg am Rhein 2022 - 2. Preis (04/2013)

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„Brückenschlag zum Rhein“

Die Geschichte Neuenburgs ist untrennbar mit dem Rhein verbunden, der zu allen Zeiten eine herausragende Rolle für die Stadt spielte. Durch die Rheinkorrektur, den Bau der Autobahn und zweier Bundesstraßen sowie die Anlage einer Mülldeponie ist die Stadt allerdings immer stärker vom Fluss abgerückt.
Vorrangiges Ziel ist es deshalb, die Trennung Neuenburgs vom Rhein durch städtebauliche und freiraumplanerische Mittel zu überwinden. Der Rhein soll wieder sichtbar, zugänglich und erlebbar werden, und die Rheinauen für die Naherholung erschlossen werden. Mit den Planungen zum „Rheinbogen“, der Autobahnüberbauung „Alter Zoll“ und den städtebaulichen Planungen am Kronenrain sind wichtige erste Schritte erfolgt.
Zur Zeit ist der geplante „Neue Rheinpark“ und die angrenzende Freizeitlandschaft von der Stadt aus nur durch unattraktive Unterführungen an der Autobahn und der Westtangente erreichbar. Erst die Aufweitung der Autobahnunterführungen im Zug des geplanten Autobahnausbaus nach der Gartenschau kann die Situation etwas entschärfen.
Wirklich konsequent wird die Verbindung zum Rhein unserer Meinung nach nur durch einen zusätzlichen „Brückenschlag“ über Autobahn und Bundesstraße. Nur so kann der „Neue Rheinpark“ und der neu gestaltete „Wuhrloch-Park“ eine funktionierende, stadträumliche grüne Klammer bilden, die Neuenburg wieder dauerhaft mit dem Rhein verbindet. Als reiner, 3 Meter breiter Steg für Fußgänger und Radfahrer in einfacher Bauweise erscheint uns der finanzielle Aufwand für eine solche Maßnahme überschaubar und angemessen. Durch den Brückenschlag über die Autobahn wird es außerdem möglich, den Wuhrlochpark als Kernbereich in die Gartenschau einzubeziehen und damit eine Besucherführung in die Stadt zu erreichen.

Brückenbauwerke
Für die Überwindung der Bundesstraße sowie der Autobahn sind deshalb zwei Brückenbauwerke vorgesehen, die in ihrer Erscheinung als ein zusammenhängender Brückenzug gestaltet sind. Ein in seinen formalen Mitteln reduziertes Geländer bildet zusammen mit der schmalen Ansichtskante der Brückentafel ein Band, das auf dem markanten Rahmen des Unterbaus aufliegt. Vorgesehen ist eine Konstruktion aus Betonfertigteilen mit der die einfeldrige Brücke über die Bundesstraße und die zweifeldrige über die Autobahn einfach und ohne aufwendige Beeinträchtigungen des Verkehrs während der Bauzeit umgesetzt werden können. Die Widerlager sind in Ortbeton vorgesehen. Die Mittelstütze der Autobahnquerung ist als filigrane Stahlstütze ausgebildet. Beide Brücken werden als wartungsarme, integrale Bauwerke vorgesehen.

„Rheinfenster“
Neuenburg liegt auf einer Niederterrasse rund 12 Meter über der Rheinsenke. Die Stadtsilhouette ist heute allerdings schwer erkennbar. Durch den Bau des „Stadtbalkons“ am Kronenrain soll dieser wichtigste Stadteingang architektonisch weithin sichtbar hervorgehoben werden. Der Lärmschutzwall entlang der Autobahn wird im zentralen Bereich des Neuen Rheinparks teilweise durch Glaselemente ersetzt. So entsteht ein bogenförmiges „Rheinfenster“, das die trennende Wirkung optisch überwindet. Der „Stadtbalkon“ bietet dann einen panoramaartigen Ausblick in die angrenzende Landschaft zum Rhein und nach Frankreich. Vom „Neuen Rheinpark“ und der Autobahn aus wird die Stadtsilhouette auf der Hochebene wieder deutlich erkennbar.

Neuer Rheinpark
Mit dem „Neuen Rheinpark“ entsteht am Stadtrand Neuenburgs eine Parklandschaft neuen Typs, in der landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzungen eine wichtige Rolle spielen. Gestaltungselemente zur Verschönerung der Landschaft, zur Verbesserung der ökologischen Leistungsfähigkeit sowie für Sport und Erholung werden eingefügt, um die Flächen zu Erholungslandschaften umzugestalten. Ein optimiertes Wegesystem vernetzt die einzelnen Bereiche untereinander, mit den benachbarten Quartieren und dem Umland.
Durch umfangreiche Bürgerbeteiligungen und Studien gibt es bereits vielfältige inhaltliche Ideen für den „Neuen Rheinpark“, die bis zum Jahr 2022 weiterentwickelt und angepasst werden. Wichtig erscheint es uns deshalb, zunächst ein robustes räumliches Grundgerüst geschaffen, das ausreichend anpassungsfähig und flexibel bleibt.
Die „Neuen Rheingärten“ bilden eine intensiv nutzbare Parkspange zwischen Stadt und Rheinauen, die vorrangig dem Freizeit- und Erholungswert dient. Angrenzende Anlagen des Vereinssports werden so durch frei zugängliche Aktionsangebote ergänzt.
Die „Rheinwiesen“ im zentralen Bereich sollen in ihrer Weite und landschaftlichen Attraktivität bewahrt werden. Wertvolle signifikante Reste der vorhandenen Kulturlandschaft wie Obstwiesen und Feldgehölze sowie Spuren historischer Nutzungen (Deiche in Ost-West-Richtung, alter Hafen, sog. „Panzeplatte“) bleiben erhalten und werden integriert. Präsentiert werden die Maßnahmen über die Gartenschau hinaus durch ein übergreifendes, pädagogisch-informatives Konzept mit Besucherzentren, Infotafeln und Schauanlagen.
Die ergänzenden Bauten an der Mühlhauser Promenade unterstützen den angestrebten sanften Tourismus, die naturorientierte Freizeitgestaltung sowie eine gärtnerisch-ökologische Nutzung. Ein „Mobilitätszentrum“ bietet einfache Beherbergungen und den Verleih von Booten, Rädern, e-Bikes und Sportausrüstungen. Der “Garten der nachhaltigen Produktivität” mit seinen aquaponischen Gewächshäusern wird ergänzt durch ein Besucherzentrum. Es soll sich über einen Ausstellungs- und Informationsort hinaus zu einer Forschungseinrichtung oder „Naturschutzstation“ entwickeln, die sich in Form eines Fördervereins durch ehrenamtliches Engagement oder Patenschaften um die Pflege und Entwicklung des Neuen Rheinparks kümmert. Wünschenswert wäre auch eine Schaugärtnerei mit Verkaufsmöglichkeit der hier erzeugten biologischen Nahrungsmittel. Das vorhandene Restaurant könnte sich auf regionalen Spezialitäten fokussieren.

Wuhrloch-Park - „Neuenburg ans Wasser“
Neuenburg lag historisch unmittelbar am Rhein. Davon zeugt nur noch das „Wuhrloch“, das als Rest des ehemals weit mäandrierenden Rheins wieder erkennbar werden soll.
Der stark verlandete Teich wird ausgebaggert und sein Wasserstand um etwa zwei Meter erhöht. Damit entsteht ein großzügiger Stadtteich, der Neuenburg wieder ans Wasser bringt. Vom „Stadtbalkon“ am Kronenrain gelangt man über einen Aufzug und einen Treppenturm auf die Ebene der B 378 oder – etwa weitere 5 Meter tiefer – auf den „Parkbalkon“. Weitere 3 Meter tiefer bildet die „Rheinspange“ eine Aufweitung direkt am Wasser.
Der Klemmbach wird über eine Wassertreppe in den Stadtteich geleitet. Durch ein geeignetes Regenwassermanagement kann auch Niedeschlagswasser des Kronenrains eingeleitet werden. Nördlich entsteht eine breite Schilfzone mit wasserreinigender Funktion. Eine schwimmende Wasserfontäne wird über Solarenergie gespeist.
Der Wuhrloch-Park ist der erste Trittstein der Grünspange „Neue Rheingärten“, die die zukünftige grüne Verbindung zwischen Stadtgebiet und Rhein darstellt. Er wird zum „Stadt- und Bürgerpark“ vor allem zur Tagesnutzung als stadtnaher Spiel- und Freizeitbereich umgestaltet. Die „Bürgergärten“ bieten ein intensiv gestaltetes Band aus generationenübergreifenden Aktionsangeboten. Sie sollen von Bürgern und Vereinen mitgestaltet, angeeignet und genutzt werden. An der Böschung des Steges ist ein großer Spielplatz mit Sand- und Kletterspielplatz angeordnet. Die Altrheinhalle wird zum Vereinszentrum ausgebaut und der Jugendclub „jamhouse“ sowie ein Café integriert.

Modellprojekt Nachhaltigkeit
Die gesamte Freiflächengestaltung im Rahmen der Gartenschau und alle Um- und Neubauten sollen zu einem Modellprojekt für Nachhaltigkeit werden. Die Maßnahmen des integriertes Rheinprogramms und Rekultivierung der Mülldeponie werden darüber hinaus als Beispiele für Nachhaltigkeit einbezogen und präsentiert.
Nach dem Vorbild der Zertifizierung von nachhaltigem Bauen soll für alle Maßnahmen zunächst eine „Gestaltungsfibel“ erstellt werden mit Aussagen zu einer CO²-optimierten Bauweise, Bewohnerpartizipation, Energie- und Ressourceneffizienz, Einsatz von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen, Förderung regionaler Kreisläufe und Wertschöpfungsketten sowie einem komplexen Regenwassermanagement.
Auch die temporären Beiträge folgen dem Leitbild der Nachhaltigkeit: Zielsetzung ist eine klimaneutrale Veranstaltung (Berechnung der Emissionen, Vermeidung oder Verminderung von Abfall, ggf. geeignete Kompensationsprojekte). Bei der Verwendung von Produkten und Materialien steht das Recycling bzw. das Upcycling im Mittelpunkt.
Ergänzt werden diese Maßnahmen durch eine umfangreiche Besucherinformation und Schauanlagen. So entsteht über die Gartenschau hinaus ein Anziehungspunkt für naturbetonten, sanften Tourismus und Freizeitgestaltung.